Nichts hat keine Form. Alles ist designt, mal mehr, mal weniger gut. Zwei BMW-Chefdesigner sagen, was sie von all den Dingen halten, die wir im Alltag gar nicht mehr bemerken.

Wir brauchen so einiges zum Leben. Dinge. Sachen. Wir brauchen ein Bett zum Schlafen; ein Regal,
wo die Bücher reingestellt werden können; irgend- etwas, um unsere Hosen eng an die Beine zu schnallen, damit sie nicht im Fahrradgetriebe zerfetzt werden; Kochkellen, die nicht aus Metall sind zum gefahrfreien Umrühren in Teflon-pfannen. Diese Dinge sind einfach da, bei uns. Doch über die meisten von ihnen haben wir uns irgendwann, bewusst oder un- bewusst, Gedanken gemacht: Wir haben sie gewählt, wir haben sie auserkoren, weil sie gewissen Kriterien entsprechen.

Preislichen Kriterien. Kriterien zur Gebrauchstaug- lichkeit. Kriterien der subjektiven Ästhetik - manchmal sehr bewusst, oft intuitiv. Wir wollen uns mit Schönem umgeben. Und doch sind da so viele Sachen, über deren Aussehen wir noch nie nachgedacht haben. Die Ikea-Tasse auf dem Frühstück-stisch, der Aschen- becher auf dem Fenstersims. Und da sind viele Sachen, die wir einfach irgendwie gut finden. «Dinge können Freunde sein», hat der Sänger und Stilgott Bryan Ferry kürzlich in einem Interview gesagt. Ja. Sie können einem aber, wenn sie schlecht gemacht sind, auch auf den Wecker gehen.

Adrian van Hooydonk und Sonja Schiefer tun nichts anderes, als sich darüber Gedanken zu machen, was schön und gut ist. Der 43-jährige Holländer van Hooydonk ist Chefdesigner von BMW, momentan der wichtigste Name unter den wenigen Autodesignern. Auch Sonja Schiefer arbeitet als Produktdesignerin für BMW, und die beiden sind auch privat ein Paar. Das Auto ist die Königsdisziplin des Industriedesigns - es muss erstens funktionieren und zweitens, eigentlich erstens, eine Form haben, die die ganze Funktion so verpackt, dass man es haben will. Niemand kauft ein Auto, das ihm nicht gefällt. Beim Auto zeigt sich mit am deutlichsten, was Design kann - auch Sie haben wahrscheinlich schon einmal ein BMW 3er-Coupé angeschaut, und gedacht, das sieht aus wie ein schnelles Auto. Adrian van Hooydonk hat Ihnen diesen Gedanken in den Kopf designt, indem er die Schein-werfer weit in den Radlauf hineinreichen liess, den nieren-förmigen Grill verglichen mit dem Vorgänger-modell etwas tiefer legte und die Linien der Motor-haube in Richtung Strasse streben machte. Nichts hat keine Form. Keine Form macht nichts mit uns, ob wir es merken oder nicht. Dazu noch Farbe, Material, Oberfläche, Haptik. . .

                                  25.02.2007 von Michèle Roten
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